Mehr Wissen
Vier Pflegemythen
und unsere
Antworten darauf

 

Das Thema Pflege ist allgegenwärtig und viel diskutiert. Im Alltag vieler Menschen, in den Medien, in der Politik. Trotzdem gibt es im Zusammenhang mit dem Thema Pflege Mythen, die nicht oder nur teilweise der Realität entsprechen – wir im maierhofer CaRe Center erleben das Tag für Tag.

Mythos 1: Pflegebedürftig sind hauptsächlich ältere Menschen

Viele von uns verbinden mit Pflege alte, gebrechliche Menschen. Es ist zwar richtig, dass mehr ca. 80% der Pflegebedürftigen älter als 60 Jahre sind aber rund 20% der Pflegebedürftigen sind jünger. Ein Zeichen, dass Pflegebedürftigkeit nicht nur eine Altersgruppe betrifft. Und für uns der Auftrag, das Thema Pflege gesamtheitlicher zu sehen. Den sogenannten „Durchschnittsfall“ gibt es für uns nicht. Ob jung, alt, Mutter, Vater, Kind, Großeltern, querschnittsgelähmt, körperlich oder geistig beeinträchtigt – Pflegebedürftigkeit hat viele Gesichter. Und jeder, der in irgendeiner Form plegebedürftig ist, hat besondere Bedürfnisse und persönliche Ziele. Diese gilt es zu kennen, um das Bestmögliche aus der Situation zu machen und neue Wege aufzuzeigen.

Mythos 2: Pflege ist gleich Pflegeheim

Viele öffentliche Diskussionen drehen sich derzeit um den zukünftigen Bedarf an Pflegeheimen, zusätzliche Pflegebetten sowie Fachkräftemangel in Pflegeheimen. Was den wenigsten von uns bewusst ist: In Österreich werden rund 80% der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt. Für die Betroffenen und ihre Familien bedeutet Pflegebedürftigkeit eine massive Umstellung in den Lebensgewohnheiten. Damit einhergehend die emotionale, aber auch finanzielle Herausforderung. Fakt ist aber auch: Ohne Angehörige, nahestehende Menschen, das soziale Netzwerk und mobile Pflegedienste wäre Pflege in Österreich nicht machbar. Uns ist es ein Anliegen, diesen Menschen und dem Thema Pflege Raum zu geben. Insbesondere für Angehörige und Menschen, die mit der Pflege betraut sind, bieten wir in unserem CaRe Center daher eine Anlaufstelle. Wir schulen und informireen vor Ort nicht zum Umgang mit Hilfsmitteln sondern bieten den Rahmen zur Beantwortung offener Fragen, Abbau von Berührungsängsten und Ausräumen von Bedenken.

Mythos 3: Wer gepflegt wird, ist nicht mehr eigenständig

Unser Credo in diesem Zusammenhang lautet: So viel Unterstützung wie notwendig geben und soviel Eigenständigkeit wie möglich bewahren und fördern. In vielen Fällen kann durch kleine Maßnahmen bereits vieles erleichtert werden. Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die zurück zur Eigenständigkeit führen oder Eigenständigkeit bestmöglich bewahren. Und wie so oft sind es die Kleinigkeiten, die am meisten bewegen. Trotz Bewegungseinschränkung ein entspannendes Vollbad? Badewannenlifter ermöglichen das. Sonntagsspaziergang in der Natur mit dem Rollator? Spezielle Outdoor-Modelle machen es möglich.

Es gilt nicht zu hinterfragen, was alles nicht mehr geht, sondern viel mehr einen Blick „mit der Lupe darauf zu werfen“, was trotzdem noch möglich ist. Wir begegnen tagtäglich Menschen, die ihre neue Lebenssituation als Herausforderung oder gar Chance sehen: Tanzen im Rollstuhl? Dafür gibt es in Kärnten beispielsweise einen eigenen Verein. Mehr auf www.rollstuhltanzen.at.

Mythos 4: Pflegebedürftigkeit und Lebensqualität sind ein Widerspruch

Entlassung aus der Klinik, Pflegebedürftigkeit – spätestens wenn diese Worte zum ersten Mal im Raum stehen, treten Ängste und Bedenken auf. Solche Situationen treten plötzlich auf, sie sind nicht planbar und selbst wenn: Wer setzt sich gerne freiwillig und vorzeitig damit auseinander? Wenn die Situation eintritt, sind die Organisation der Pflege und Betreuung, eine schnelle Adaptierung der häuslichen Umgebung, spezielle Pflegehilfsmittel und Rehabilitationsprodukte gefordert.

Ganz schön viele Veränderungen, die bis in den hintersten Winkel des eigenen Zuhauses Einzug halten. Die gewohnte und geschätzte Lebensqualität geht damit endgültig verloren – oder? Wir sind da anderer Meinung: Pflegebedürftigkeit und Lebensqualität stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch. Eine gut funktionierende Wohnsituation in vertrauter Umgebung trägt einen Teil zum Wohlbefinden bei und sorgt für ein Sicherheitsgefühl. Dabei wichtig: Ungehinderter Zugang zu den Wohnräumen, eine sichere Fortbewegung innerhalb des Wohnbereiches sowie eine den Bedürfnissen entsprechende funktionale Wohnausstattung. Das sorgt für mehr Selbständigkeit und damit Lebensqualität für den Betroffenen, zugleich entlastet es die Pflegenden. Sie bei diesem Thema zu unterstützen ist natürlich nur ein kleiner Mosaikstein zur Wahrung der Lebensqualität. Unbestritten das wichtigste in diesem Zusammenhang ist und bleibt aber das soziale Umfeld – der Faktor Mensch.