#WIR
Nachgefragt bei Bernhard Fasching

 Gesunde, kräftige und gepflegte Füße sind nicht nur schön, sondern auch die beste Voraussetzung, uns sicher und schmerzfrei durchs Leben zu tragen. Was aber, wenn die Füße, die Knie, die Hüfte oder die Wirbelsäule schmerzen? Wir haben nachgefragt.

Wer, Herr Fasching, kommt zu Ihnen ins gehwerk? Haben vor allem ältere Menschen Probleme mit den Füßen?

Mein jüngster Kunde war ein Kleinkind, ein 14 Monate alter Bub. Der Kleine hatte einen operierten Klumpfuß und sein behandelnder Arzt wollte, dass er eine sensomotorische Aktiveinlage bekommt. So kann diese Fehlstellung aktiv korrigiert werden. Und mein ältester Kunde ist über 90 Jahre alt. Es kommen auch Kinder und junge Erwachsene, aber die meisten sind 40 Jahre und älter. Kürzlich war ein älterer Herr bei mir, der gern und viel gewandert ist, aber nicht mehr in die Berge gehen konnte, weil er starke Schmerzen im Sprunggelenk und im Bereich des Mittelfußes hatte. Und zwar aufgrund einer Fehlstellung des Fußes, aufgrund eines Senk-, Knickfußes. Und wie gesagt, kürzlich war er da und hat lachend zu mir gesagt: ‚Danke! Jetzt kann ich wieder in die Berge gehen und es tut mir nichts mehr weh.‘ Also etwas Schöneres kannst du von einem Kunden nicht gesagt bekommen.
 
Fußbrennen, Druckstellen oder Fersensporn können sehr unangenehm sein. Fußfehlstellungen können später zu Knieschmerzen, ja sogar zu Hüft- und Wirbelsäulenschäden führen. Wenn man orthopädische Einlagen trägt, kann dies verhindert werden. Aber nur, wenn diese Einlagen sehr sorgfältig und genau angepasst werden. Wie gehen Sie vor, wenn ein Kunde oder eine Kundin eine sensomotorische Aktiveinlage benötigt?

Als erstes rede ich mit den Leuten. Ich frage sie, was weh tut, welche Beschwerden sie haben. Dann kommen die Geräte zum Einsatz. Ich mache einen Fußscan, wo ich sehe, wie der Fuß belastet wird, wie breit und lang er ist und wie das Fußgewölbe beschaffen ist. Danach mache ich eine dynamische Fußdruckmessung, wo ich sehe, wie der Fuß abrollt. Und schließlich wird noch ein Gangbild mittels Videoanalyse erstellt. Diese Aufnahme schaue ich mir gemeinsam mit meinem Kunden an. Alle diese Daten brauche ich, um eine maßgeschneiderte Lösung zu finden. Aber das Um und Auf ist noch immer das Abtasten der Füße. Wenn ich die Füße angreife, fühle ich, wie der Fuß auf Manipulationen reagiert, wie sensibel jemand ist. Das was ich spür‘, das ersetzt mir kein Computer.


 Am Foto: Bernhard beim Fertigen der Einlagen in der hauseigenen Werkstätte
 
Was bewirkt die sensomotorische Aktiveinlage?

Die Aktiveinlage ist wie ein kleines Fitness Center für die Füße, weil sie die Muskeln aktiv stimuliert. Der Körper lernt, sich selbst zu regulieren. Die Muskeln werden gestärkt, die Fehlstellung korrigiert und es kommt wieder zu einem neutralen Gangbild. Das dauert zwar einige Zeit, so zwischen einem Jahr und zwei Jahren, aber es funktioniert. Dann braucht man die Einlage nicht mehr. Es ist jedoch so, dass die Aktiveinlage nicht bei jedem anwendbar ist. Und dementsprechend versorgen wir unsere Kunden entweder mit der aktiven oder der passiven Einlage. Wobei nur letztere von der Krankenkasse bezahlt wird. Die Aktiveinlage muss man selbst finanzieren. Aber jeder bekommt seine individuell gefertigte Einlage. Bei uns gibt es keine Fertigprodukte.
 
Es gibt immer wieder neue Entwicklungen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Orthopädie- beziehungsweise der Einlagentechnik. Wie halten Sie sich auf dem Laufenden?

Ich habe immer Fortbildungen gemacht. Ich hasse nichts mehr als Stillstand. Jetzt im Herbst sind wir bei der Orthopädieschuhmachermesse in Köln, wo wieder einige Neuheiten vorgestellt werden. Und da schau ich halt, was ich davon brauchen kann, damit unsere Kunden wieder schmerzfrei gehen und laufen können.


 
Sie beschäftigen sich schon seit knapp dreißig Jahren mit der Einlagentechnik und sind jetzt 25 Jahre bei der Firma Maierhofer.

Ich habe eine Lehre zum Orthopädietechniker gemacht und ich liebe meinen Beruf heute noch. Ich bin ein Bastler und Tüftler. Außerdem macht es mir einfach Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Ich gehe jeden Tag in der Früh mit Freude arbeiten. Und es ist jeden Tag anders. Jeder Mensch ist anders, jeder reagiert anders, jeder Fuß ist anders. Jeder kommt mit einem ganz persönlichen Problem und ist eine neue Herausforderung. Mein Beruf ist zu meinem Hobby geworden. Und ich glaube, das merken die Kunden.
 
Interview durchgeführt und geschrieben von Ursula Müller